Dienstag, 02.06.2026, 20 Uhr

Der Verlag PapyRossa: Fußball-WM und Verlagsgeschichte mit Glenn Jäger und Tammo Wetzel

Glenn Jäger und Tammo Wetzel präsentieren den PapyRossa Verlag – und ein Buch zur »anderen Geschichte der Fußball-WM«

WM-Geschichte als Abbild der Weltordnung: 1934 im Italien Mussolinis; England ’66 mit panafrikanischem Boykott; Chile-Solidarität 1974; Argentinien ’78: ›Fußball ja, Folter nein‹. Ab 1990 auch die FIFA im Goldrausch. Nordamerika 1994 und 2026: US-geführte Kriege, dramatischer Rechtsrutsch: Bleibt die Friedensfrage beim ›Völkerfest‹ WM virulent?

Die Themen, in denen sich die WM-Geschichte spiegelt, waren stets auch Gegenstand des PapyRossa-Programms: Ob Faschismus und Militärdiktaturen; ob internationale Solidarität mit Blick etwa auf Lateinamerika oder Südafrika; ob Fragen von Krieg und Frieden; von neoliberaler Politik oder von demokratischen und sozialen Rechten.

Glenn Jäger (geb. 1971) und Tammo Wetzel (geb. 1972) stellen einen Verlag vor, der seit mehr als 35 Jahren Bücher aus den Bereichen Politik, Geschichte, Ökonomie, Bildung und Sport verlegt; der mit dem Taschenkalender »Wir Frauen« und einem Erziehungsratgeber auf große Auflagen zurückblickt; der teils viel beachtete Übersetzungen vorgelegt hat; der mit der Reihe »Basiswissen« Grundbegriffe erläutert; und der sich in einer zunehmend unter Druck geratenen Branche behauptet.

Der Abend beginnt mit der Verlagspräsentation und geht, im Vorfeld der Fußball-WM, über zur Vorstellung des Bandes »Griff nach Gold. Die andere Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft«:

Carlos Gomes und Glenn Jäger: Griff nach Gold. Die andere Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft. PapyRossa 2026. 415 S. Geb. 28,00 €

Ein Fest der Völkerfreundschaft, die Aussicht auf eine Welt von morgen: Die Verheißungen der Fußball-Weltmeisterschaften finden sich etwa in Uruguay 1930 oder Südafrika 2010. Oder sie spiegeln sich auf dem Rasen: Mexiko 1970 und ’86. Doch in die WM-Geschichte hat sich die Dominanz des Nordens eingebrannt. Und der afrikanische Fußball? Nachfahren von Sklaven als Trümpfe Brasiliens, Stars in den Reihen der europäischen ›Mutterländer‹. Die antikoloniale Befreiung erreichte mit dem panafrikanischen Boykott der WM 1966 auch die FIFA. Neben den Turnierverläufen geht der Band politischen Kapriolen nach: Ob 1934 im Italien Mussolinis; 1938 im linksregierten Frankreich, die ›großdeutsche‹ Elf mit Hitlergruß; 1974 Solidaritätsaktionen in Berlin: ›Chile Sí, Junta No‹; oder 1978 im Argentinien einer Militärdiktatur. Mit Ende des Kalten Krieges war auch die FIFA im Goldrausch. Bald mit von der Partie: Katar und Saudi-Arabien. Und die WMs in Nordamerika 1994 und 2026? US-geführte Kriege, dramatischer Rechtsrutsch: Bleibt die Friedensfrage beim ›Völkerfest‹ WM virulent? Ist die massive Ausweitung des Teilnehmerfelds, so sehr kommerzieller Natur, auch Ausdruck einer entstehenden multipolaren Weltordnung?

Carlos Gomes, Jg. 1981, Studium der Germanistik sowie der Sozial- und Kulturwissenschaften. Publiziert zu kulturhistorischen Themen.

Glenn Jäger, Jg. 1971, Studium der Anglistik und Sozialwissenschaften. Verlagstätigkeit, aktiver Fußballer in der Betriebssport-Liga Bonn.








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