Dienstag, 10.03.2026, 20 Uhr

Stefan Busch: Das Geheimnis der fehlenden Stellen
 
Grundlage für die Ausführungen von Stefan Busch ist das folgende Buch:

Stefan Busch: Über den Sex, den Romane verschweigen. Dittrich 2025. 175 S. Kart. 16,00 €

Aus dem Inhalt:

In flagranti – Dantes Purgatorium der Liebe

Wie alle sehen, sieht man nichts:
Emma Bovary … im Fiaker

So Sachen: Courage und Ökonomie beim
dezenten Herrn Fontane

Schach von Wuthenow / L’Adultera / Irrungen und Wirrungen

Die drei Auslassungszeichen
und der springende Punkt

Wenn es die Sprache verschlägt:
Der Fall der Anna Karenina

Zu viel des Guten? Wie neue Romane
sich in Zurückhaltung üben

Wenn Romane von erotischem Zusammensein der Liebenden nicht explizit erzählen, füllt die Vorstellungskraft des im Leben und Lesen erfahrenen Publikums die Lücken. Einst durften Autoren wie Flaubert und Fontane nichts zeigen, sie fanden aber Wege, die verbotenen Situationen vor aller Augen geschehen zu lassen. Und wie ergeht es uns heute, wo anything goes gilt und das Angebot an erotischen Bildern reichlich ist? Auf welche Spiele mit der Liebe einigen sich aktuelle Romane mit ihren Leserinnen und Lesern? Der Vortrag versucht, Auskunft zu geben.

Dieser schwungvolle Essay betrachtet das Spiel und seine Regeln mit Witz und unterhaltsamen Seitenblicken auf die Weltliteratur. Ähnliches werden wir an dem Abend erleben.

„Buschs Essay öffnet einen erfrischenden Blick auf die Kunst des Ungesagten: Er zeigt, dass gerade das Verschweigen in der Literatur zu neuen, oft stärkeren Formen der Sinnstiftung führt und in allen Zeiten die Vorstellung angeregt hat. Insgesamt ist dies ein anregender, klug gesponnener Beitrag zur Debatte um Erotik und Ästhetik in der Literatur." Grete Otto, buergerleben.com, 12.08.2025

"Eine Einladung, über die Macht der Sprache nachzudenken und zu entdecken, wie viel mehr Spannung allein die bloße Imagination evozieren kann!" CarpeGusta, 13.01.2026

„Stefan Busch spürt den verborgenen Sexszenen der Weltliteratur nach. Ein großartiger Essay über das Weglassen. [...] Buschs profunde und lockere Bestandsaufnahme zeigt aber auch hier, dass die Literatur, wenn es um Sex geht, am liebsten alles erzählt: außer Sex – sei es aus ästhetischen Gründen oder aus Angst vor juristischen Scherereien, die in der Moderne zum Glück in aller Regel als überwunden gelten.“   Philipp Haibach, Der Freitag, 28.11.2025

Stefan Busch, Jahrgang 1966, wurde 1997 in Mainz mit einer Arbeit über die literarischen Aktivitäten von NS-Autoren in der Bundesrepublik promoviert und unterrichtete anschließend als Visiting Fellow und Dozent für Deutsche Sprache und Literatur an der University of Oxford. Nach einem beruflichen Wechsel ins wissenschaftliche Verlagswesen zog er 2013 mit seiner Familie von England nach Heidelberg.




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