Dienstag, 17.11.2026, 20 Uhr
Prof. Dr. Peter-André Alt: Die Kanzler und die Intellektuellen. Geschichte einer unbequemen Beziehung
Peter-André Alt: Die Kanzler und die Intellektuellen. Geschichte einer unbequemen Beziehung. Beck 2026. 811 S. mit 49 Abb. Ln 48,00 €
Sachbücher des Monats Oktober 2026: Platz 1
Geist und Macht - das war schon immer ein spannungsgeladenes Verhältnis. Dass die Intellektuellen den Mächtigen nichts schenken, liegt ebenso in der Natur dieser Beziehung wie die Reserve der Politiker gegenüber selbstherrlichen Literaten, die alles besser wissen, ohne in der Verantwortung zu stehen. Peter-André Alt hat sich von Konrad Adenauer bis Olaf Scholz die Bundeskanzler und ihre Beziehung zum geistigen Leben der Republik genau angeschaut. Das Ergebnis ist ein höchst aufschlussreiches Buch über die politische Kultur der Bundesrepublik, prallvoll mit Geschichten von Heinrich Böll und Günter Grass, Wolf Biermann und Christa Wolf, Eva Menasse und Juli Zeh.
Regierungschefs und kritische Intelligenz eines Landes haben gemeinsam, dass sie sich Gedanken über die großen Streitthemen der Nation machen. Oft aber sind sie sich uneins - mal über die politischen Ziele, mal über die richtigen Wege dorthin. Wiederbewaffnung und Pressefreiheit, Ost-West-Antagonismus, Notstandsgesetze und Studentenrevolte, Entspannungspolitik, Terrorismus und Nachrüstung, Umweltbewegung und Wiedervereinigung, Migrationspolitik und Integrationsdebatte - über all diese Themen wurde in öffentlichen Debatten gestritten, in denen linke Intellektuelle oder rechtsstehende Gelegenheitsreaktionäre auf den offiziellen Kurs der Politik Einfluss nahmen oder es versuchten. Peter-André Alt hat zum ersten Mal zusammenhängend dieses Beziehungsgeflecht untersucht und für die Zeitgeschichte erschlossen.
Einleitung
I Republikanische Autokratie: Konrad Adenauer 1949–1963
II Spätberufener ohne Fortüne: Ludwig Erhard 1963–1966
III Staatskünstler mit Vergangenheit: Kurt Georg Kiesinger 1966–1969
IV Charisma und Melancholie: Willy Brandt 1969–1974
V Management durch Prinzipien: Helmut Schmidt 1974–1982
VI Verkörperte Macht: Helmut Kohl 1982–1998
VII Entscheidungslust: Gerhard Schröder 1998–2005
VIII Die Zeichendeuterin: Angela Merkel 2005–2021
IX Vorsicht als Mission: Olaf Scholz 2021–2025
Fazit
„Vorzügliches Opus magnum über die komplexe Beziehung zwischen Kanzlern und Intellektuellen ... Das Buch, das obendrein gut lesbar ist, hat zweifellos das Format eines historischen Standardwerks.“ Süddeutsche Zeitung, Rudolf Walther
„Ein überaus lesenswertes Buch … Selten sind die Kanzler parteiübergreifend mit solchem Respekt behandelt worden wie in dem Buch von Peter-André Alt, an dem niemand vorbeigehen sollte, der sich künftig mit der Geschichte der Bundesrepublik befasst.“ FAZ, Thomas Karlauf
„Peter André Alt hat eine Fülle von Material mit zahlreichen Episoden, Artikeln und Konflikten aufbereitet, bis nahe an die unmittelbare Gegenwart heran … Die ,dialektische Konstellation' zwischen Geist und Macht, wie Alt sie für Deutschland nach 1945 konstatiert, führt er überzeugend vor: So richtig kann keiner ohne den anderen.“ Die ZEIT, Alexander Cammann
„Eine der großen Lesefreuden des Spätsommers“ Deutschlandfunk, Peter Carstens
„Peter-André Alt erklärt in seinem neuen Buch, warum Intellektuelle in der Politik an Bedeutung verloren haben.“ SWR Kultur
Die Veranstaltung findet mit Unterstützung des C. H. Beck Verlages statt.
Peter-André Alt ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, die er von 2010 bis 2018 als Präsident leitete. Von 2018 bis 2023 war er Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, seit April 2023 führt er die Wübben Stiftung Wissenschaft in Berlin.
Bücher von Peter-André Alt (Auswahl):
Peter-André Alt: Jemand musste Josef K. verleumdet haben …'. Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten. Beck 2020. 262 S. Geb. 19,90 €
Der erste Satz ist bekanntlich der schwierigste - und der wichtigste. Er muss den Leser verführen und verrät meist mehr, als wir bei der ersten Lektüre wahrnehmen. Manchmal enthält er im Kern schon die ganze folgende Geschichte. Peter-André Alts lustvoller Streifzug durch die Weltliteratur führt an großen Texten von der Antike bis zur Gegenwart vor, wie deren Anfänge jenen Pakt mit dem Leser schließen, der die erste Neugier in andauernde Leselust verwandelt.
Peter-André Alts funkelnd-luzider Essay über die Poesie des Anfangs zeigt das an 249 Beispielen von Homer bis Peter Handke, von Tolstoi bis Paul Auster. Sein Buch bietet Literaturgeschichte kurz und bündig und ist selbst eine große Verführung zum Lesen.
---, Ästhetik des Bösen. Beck 2011. 714 S. mit Abb. Geb. 34,00 €
---, Sigmund Freud. Der Arzt der Moderne. Eine Biographie. Beck 2016. 1036 S. mit 46 Abb. Geb. 34,95 €
---, Der Schlaf der Vernunft. Literatur und Traum in der Kulturgeschichte der Neuzeit. Beck 2011. 464 S. Kart. 34,95
---, Schiller. Leben - Werk - Zeit in 2 Bänden. Eine Biographie. Beck 2013. 1422 S. mit 50 Abb. Kart. 19,95 €
---, Kafka und der Film. Über kinematographisches Erzählen. Beck 2009. 238 S. Geb. 19,90 €