Montag, 19.10.2026, 20 Uhr
Jan-Luca Helbig: Die Schätung des Menschen. Wie spanische Theologen im 16. Jahrhundert das Schmerzensgeld erfanden. Einleitung: Prof. Dr. Martin Schermaier
Auf einer rechtshistorischen Reise zwischen antikem Rom und katholischem Salamanca erläutert Jan-Luca Helbig die Genese des modernen Schmerzensgeldes zwischen Theologie, Philosophie und Jurisprudenz.
Grundlage für den Vortrag ist das folgende Buch:
Jan-Luca Helbig: Die Schätzung des Menschen. Persönlichkeitsgüter, Geldentschädigung und Kommensurabilität im scholastischen Naturrecht. Forschungen zur Neueren Privatrechtsgeschichte. Herausgegeben von Martin Schermaier und Mathias Schmoeckel Bd.37. Böhlau 2026 351 S. Geb. 70,00 €
Der Körper eines freien Menschen wird nicht in Geld geschätzt – liberum corpus nullam recipit aestimationem. Diese Regel aus der Feder des Juristen Gaius (2. Jahrhundert n. Chr.) gilt als Absage des römischen Rechts an ein kompensatorisches Schmerzensgeld nach heutigem Verständnis. Mittelalterliche Juristen übernahmen diesen Standpunkt. Doch etwa zeitgleich setzten sich Theologen darüber hinweg. Sie forderten auch für den irreparablen Schaden an Körper, Ruf und Ehre eine Entschädigung in Geld. Darauf aufbauend entwickelten die Spätscholastiker im 16. und 17. Jahrhundert eines der ersten naturrechtlichen Ersatzregime für immaterielle Schäden. In diesem Buch wird die Entwicklung dieser Lehre nachgezeichnet und ihre Bedeutung für die Gegenwart untersucht.
Die Arbeit hat den Promotionspreis des Fachbereichs Rechtswissenschaften 2026 erhalten und wurde daraufhin von der Fakultät für den Promotionspreis der Universitätsgesellschaft vorgeschlagen.
Dr. Jan-Luca Helbig wurde 1995 in Münster geboren. Nach dem Abitur studierte er ab 2013 Rechtswissenschaft in Bonn. Nach Stationen an den Universitäten in Prag und Paris kehrte er für das Referendariat zurück in die Bundesstadt. Parallel arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Römisches Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte. In seiner Doktorarbeit untersucht er die moraltheologischen Wurzeln des Schmerzensgeldes. Daneben publiziert er u.a. zu Themen der spanischen Spätscholastik und zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche.
Jan-Luca Helbig ist Referent für Aufarbeitung beim Erzbistum Köln.
Prof. Dr. Martin Schermaier lehrt Römisches und Bürgerliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.