Felix Lüttge: Auf den Spuren des Wals. Geographien des Lebens im 19. Jahrhundert

Felix Lüttge: Auf den Spuren des Wals. GEOGRAPHIEN DES LEBENS IM 19. JAHRHUNDERT. 279 S., 40 Abb. Geb. 28,00 €

Eine Medien- und Wissensgeschichte von Biologie und Ozeanographie im Kielwasser der Walfänger.
Immer wieder entzieht sich der Wal wissenschaftlicher Klassifikation und Darstellbarkeit. Wale sind buchstäblich nicht zu fassen - als sich die neuen biologischen Wissenschaften im 19. Jahrhundert daran machten, »das Leben« zu erklären, blieb das der Wale ein Problem. Doch Walfänger durchkreuzten auf ihren Spuren im 19. Jahrhundert die Meere der Welt. Kartographen erschlossen auf den Spuren dieser Walfänger die Nordwestpassage und den pazifischen Ozean, während Naturhistoriker und Zoologen sie in die Lebensräume der Wale begleiten.
Felix Lüttge erzählt die Geschichte der Walfänger, die den Walen, und der Wissenschaftler, die wiederum den Walfängern folgten. Es ist eine Medien- und Wissensgeschichte des Wals wie auch der Meere, die auf seinen Spuren durchfahren und vermessen wurden. Felix Lüttge beschreibt die komplexen Austauschprozesse, mit denen Walfänger und Wissenschaftler ökonomisches, ozeanographisches, zoologisches und geographisches Wissen hervorbrachten.


„Felix Lüttge ist Kulturhistoriker. Er beschreibt die Wege, über die der Wal auf das Papier kam. Er erzählt, wie aus schriftlich niedergelegten Erfahrungen akademische Disziplinen wurden; die "Cetologie", die "Walwissenschaft" zum Beispiel, die, im Unterschied zum Walfang selber, keineswegs verschwunden sind. Es geht ihm um die Bedeutung, die der Walfang für die Entwicklung der Geografie besaß, um die kartografische Erschließung von Strömen und Passagen, um den "intelligenten Walfänger", der mit seinen Aufzeichnungen eine politische und ökonomische Verwaltung der Meere erst ermöglichte. Es geht ihm um die Schwierigkeiten, die einerseits darin bestanden, den Wal als Tierart zu klassifizieren, und die andererseits, ob seiner schieren Größe, darin lagen, ihn zu vermessen und bildlich darzustellen. Das Buch schließt mit einer Anthropologie des Wals: mit einigen sehr menschlichen Theorien über ein Tier, das kein Fisch ist und kein Säugetier sein darf, das nirgendwo zu Hause ist, und das, wohin es auch gerät, aus den Proportionen geraten zu sein scheint.“ Thomas Steinfeld: „Das unfassbare Tier. Geographien des Lebens im 19. Jahrhundert" in Süddeutsche Zeitung vom 22.07.2020

Dr. Felix Lüttge, geb. 1987, ist Historiker und Kulturwissenschaftler. Er arbeitet am Seminar für Medienwissenschaft an der Universität Basel. Veröffentlichungen u.a.: Walverwandtschaften. Leben in feindlichen Milieus, in: Milieu. Umgebungen des Lebendigen in der Moderne (2017); Whaling Intelligence, in: The British Journal for the History of Science (2019).

„Felix Lüttge untersucht … die Geschichte des Wals als Geschichte von „jagende[r] Forschung“ (S.170) und „forschende[r] Jagd“ (S. 180). Damit ist bereits eine zentrale Erkenntnis des Buches angesprochen: Das wirtschaftliche und wissenschaftliche Interesse am Wal gingen Hand in Hand. Lüttge analysiert den Zusammenhang zwischen Walfang, Walforschung (Cetologie) und der beginnenden Ozeanographie…. Lüttges Analyse … thematisiert, wie über den Wal geschrieben wurde. Herman Melvilles „Moby Dick“ (1851) ist die wohl populärste erzählerische Auseinandersetzung mit dem Wal, der sich Lüttge wiederholt und von verschiedenen Seiten aus nähert. Aber auch die vierzig abgedruckten Karten,   Zeichnungen   und   Tabellen (Lüttge   spricht   medientheoretisch von „Aufschreibesystemen“, S. 97) stehen für die Versuche der Seefahrer und Wissenschaftler, des Wals habhaft zu werden. Im Kern ist dieses Buch eine Erzählung, wie sich aus den Erfahrungen auf hoher See akademische Disziplinen wie die Cetologie bildeten.“ Jan Hansen in: Neue Historische Literatur. De Gruyter vom 1. Juni 2021, S. 821

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