„Jetzt schreiben Wir – Literarische Stimmen von unten": Lesung und Gespräch über Aufgaben und Formen engagierter Literatur in unserer Zeit mit Nevruz Karakuş, Samira Servos, Sarafina-Abena Yamoah und Dila Park - Moderation: Anna de Alwis, Tristan Maurer / Einführung: David Hoeck
„Für die Schreibenden ist wichtig, dass sie den Ton der Wahrheit treffen. Für gewöhnlich hört man da einen sehr sanften, wehleidigen Ton, den von Leuten, die keiner Fliege weh tun können. Wer diesen Ton hört und im Elend ist, wird elender. So sprechen Leute, die vielleicht keine Feinde sind, aber bestimmt keine Mitkämpfer" (Bert Brecht, „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit", 1934).
Einführung: David Hoeck
Einführung: David Hoeck
Folgendes Buch ist Grundlage für die Veranstaltung:
Jetzt schreiben wir. Literarische Stimmen von unten. Herausgegeben von Josephine Ziegler und Olivier David. Klassenbuch Verlag 2026. 160 S. Kart. 16,00 €
Es lesen: Nevruz Karakuş, Samira Servos, Sarafina-Abena Yamoah und Dila Park
Moderation: Anna de Alwis, Tristan Maurer
Anna de Alwis schreibt zu der Veranstaltung:
„Die Reaktivierung des Geraunes der Agenda 2010 über die Bequemlichkeit der sozialen Hängematte, scharfe Rufe nach Kriegstüchtigkeit und dafür erforderliche Härte sowie die Artikulation des Elends durch eine Protestpartei, die selbst keine Alternative zu bieten hat, zeigen: Die Phase des Liberalismus mit seinen individuellen Aufstiegsversprechen ist beendet. Überholt ist damit auch eine distanzierte Klassenliteratur, die in der Sprache der Soziologie um die Anerkennung des von einzelnen Glücklichen zurückgelassenen Elends durch einen bürgerlichen Kulturbetrieb wirkt. Statt diesem Abschnitt hinterherzutrauern, nimmt sich das junge Kollektiv schreibender Arbeiter*innen hinter der Textsammlung „Jetzt schreiben Wir!" vor, die Wahrheit der persönlichen Erfahrungen von Armut und Demütigung gegen eine Politik von Prekarisierung und Individualisierung in Stellung zu bringen. Die autobiographischen Essays, Gedichten und Kurzgeschichten über Elend, Verweigerung und Solidarität zeichnen Ausschnitte aus dem Alltag moderner Prekarität und verweisen auf die geteilte Erfahrung einer vielfältigen Arbeiter*innenklasse. Die Autor*innen suchen auf ihre jeweils eigene Weise nach Formen, die den Trotz, die Neugier und List der Klasse zum Ausdruck bringen und zur Entwicklung einer Prosa als Werkzeug der aktuellen Kämpfe um die soziale Verwirklichung der Würde Aller beitragen sollen. Dieses Anliegen mit den Mitteln der Literatur in den Vordergrund des gesellschaftlichen Bewusstseins zu rücken, halten die Autor*innen für dringend nötig, um sowohl die materiellen Grundlagen des Kulturbetriebs vor dem Kahlschlag zu retten als auch der Rechtsentwicklung durch eine Kultur der Menschlichkeit und Solidarität entgegenzutreten.
Angesichts drastischer Kürzungen der Hochschulfinanzierung insbesondere an der Philosophischen Fakultät, Hand in Hand mit gesteigertem politischen Anpassungsdruck auf ihre Angehörigen, stellen sich diese Herausforderungen umso deutlicher auch für das Studium der Literatur. Herzlich eingeladen sind alle, besonders aber Kommiliton*innen der Geistes- und Kulturwissenschaften."
Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen der Kritischen Einführungswochen des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbandes zum Semesterstart.
Der Eintritt ist frei.